

Immer mal wieder diskutieren Menschen über die Vorzüge und Werte verschiedener Religionen und Glaubenssysteme. Ein wirklich einmaliges Element des Christentums ist die Gnade, die als „unverdiente Gunst“ oder „bedingungslose Annahme“ definiert wird. Der Gedanke ist, dass sich Gnade weder verdienen lässt, noch ist sie etwas, das wir bekommen, weil es uns zusteht. Tatsächlich empfangen wir etwas, das wir nicht verdienen.
Gnade, so wie sie oben definiert ist, ist der Arbeitswelt prinzipiell fremd. Wir sprechen von „Unterhalt verdienen“. Viele Berufstätige – besonders im Vertrieb - werden aufgrund ihrer Leistung bezahlt: die Aufträge, die sie für die Firma an Land ziehen oder über die Zahlenergebnisse in ihrem Verantwortungsbereich. Wie oft haben Sie schon gehört, dass ein Mitarbeiter behalten wird, obwohl er dessen nicht „würdig“ ist oder „es nicht verdient“ hat?
Glücklicherweise kann ich, bei Betrachtung meiner eigenen Karriere als Journalist, einige Situationen aufzählen, in denen ich Gnade erfahren habe. Wenn ich mein eigener Chef gewesen wäre, hätte ich mich sicherlich gefeuert.
In meinem ersten Jahr als Zeitungsredakteur z.B. wurde ich so ungeduldig bei einer Diskussion im Stadtrat, dass ich selber aufstand und meinen Kommentar beisteuerte. Da ich noch so unerfahren war, hatte ich nicht recht begriffen, dass ich Neuigkeiten berichten und nicht kreieren sollte. So kam eine Klage an meinen Vorgesetzten. Er beschloss, gnädig über meinen Fehltritt hinweg zu sehen und schrieb ihn meinem jugendlichen Elan und meiner Unerfahrenheit zu. Er warnte mich jedoch davor, diesen Fehler zu wiederholen.
Jahre später bei einer anderen Zeitung hatte ich große Probleme, die Produktion der Morgenausgabe verantwortlich zu beaufsichtigen. Im letzten Moment kam der Hauptredakteur zu meiner Rettung. Statt mir Vorwürfe zu machen, oder viel schlimmer noch, mich zu entlassen, nahm er mich einfach beiseite, sprach mir sein Vertrauen aus und bot mir Ratschläge an, die hilfreich für meine zukünftige Arbeit waren.
Ein anderes Mal war, als ich als Mitarbeiter bei CBMC eingestellt wurde, obwohl ich wenig Fachwissen vorweisen konnte. Ein psychologisches Profil bezeichnete mich als „rohen Diamanten“, und mein Vorgesetzter konzentrierte sich lieber auf mein Potenzial als auf das, was ich vorweisen konnte. Wieder einmal wurde ich Empfänger von „Gnade“.
In der Bibel finden sich zahlreiche Beispiele für Gnade: Jakob, der seinen Bruder Esau um das Erbe betrog; Joseph, der sich als Papas Liebling vor den Brüdern aufspielte; Mose, der einen ägyptischen Aufseher erschlug; David, der König Israels, der sich des Ehebruchs schuldig machte und sein Verbrechen zu vertuschen suchte, indem er den Ehemann der betroffenen Frau umbringen ließ. Aber jeder wurde von Gott auf ungewöhnliche Weise gebraucht.
Jesus erwies seinen „Mitarbeitern“ oft Gnade. In Johannes 15, 16 erinnert er den ziemlich bunten Haufen in seinem Gefolge: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich euch, damit ihr euch auf den Weg macht und Frucht bringt, die bleibt.“ Später, nachdem Petrus ihn dreimal verleugnet hatte, vergab er diesem impulsiven Jünger und trug ihm einfach auf: „Hüte meine Schafe!“ (Johannes 21, 17). Mit diesen schlichten Worten wurde Petrus wieder in den Dienst aufgenommen.
Natürlich kann ein Mitarbeiter deutlich ungeeignet für eine bestimmte Aufgabe sein, oder unethisches Verhalten die Kündigung bedingen. Aber manchmal ist Gnade ausschlaggebend – auch wenn der betreffende seinen Aufgaben zunächst nicht gerecht wird -, um ein wertvolles, produktives Mitglied für das Team zu gewinnen.
, President.
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USA-Atlanta, Georgia
ist Vizepräsident bei Leaders Legacy Inc., eine gemeinnützige Organisation in Atlanta, Georgia, USA. Er hat Business at its Best: Timeless Wisdom from Proverbs for Today’s Workplace geschrieben und ist Co-Autor von The Heart of Mentoring: 10 Proven Principles for Developing People to Their Fullest Potential zusammen mit David A. Stoddard