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Ausgabe 08/07 

Was ist Leben?

 

Leben aus Materie

Schon in der Schule wird uns vermittelt, dass sich Leben allein aus Materie und Naturgesetz erklären ließe. Unsere Gedanken und Emotionen seien nur Nebenwirkungen elektrochemischer Prozesse, versichern uns Neurobiologen. Und doch lebt tief in uns die Ahnung, dass Leben mehr sein muss als ein Mechanismus, dass Organismen mehr sind als kybernetische Maschinen. Dass eine Intelligenz hinter dem Leben steht. ‘Auf keinen Fall!’ erwidern uns Evolutionsbiologen. ‘Das wäre völlig unwissenschaftlich!’ Tatsächlich: Gott kommt in keinem Physikbuch vor!

Gott kommt auch in der Biologie nicht vor, denn das, was wir Naturwissenschaft nennen, wurde von Galileo Galilei als eine Beschreibung von Gesetzmäßigkeiten der Natur entworfen. Um in eine mathematische Formel zu bringen, wie ein Stein fällt, ist Gott nicht notwendig. Dass Galilei die Naturwissenschaft auf die Beschreibung der Natur beschränkt hat, geschah aus gutem Grund. Denn er wollte sie auf eine überprüfbare Basis stellen. Die Beschränkung auf das ‘Wie’ ist das Geheimnis des Erfolgs der modernen Naturwissenschaft. Denn wie ein Stein fällt, kann man beobachten. Warum ein Stein fällt, was also hinter den Naturgesetzen steht, können wir nur ahnen.

Wenn Gott aus methodischen Gründen in der Naturwissenschaft nicht vorkommt, bedeutet das aber nicht, dass er als Wirkungsmacht hinter der Natur nicht vorkommen darf. Einer der führenden materialistischen Wissenschaftler, Richard Lewontin schrieb: ‘Es ist nicht der Fall, dass die Methoden und Institutionen der Wissenschaft uns irgendwie zwängen, eine materialistische Erklärung der Welt der Phänomene anzunehmen, sondern im Gegenteil: wir werden durch unsere a priori-Bindung an materialistische Ursachen gezwungen, Methoden der Forschung und Begriffe zu erfinden, die materialistische Erklärungen liefern, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob diese Erklärungen schon der Intuition widersprechen...’ Naturalistische Wissenschafter haben aus dem methodischen einen metaphysischen Atheismus gemacht und sich so einer Spielregel unterworfen, die ausschließlich weltanschaulich begründet ist. Denn es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, Gott aus der Natur zu verbannen. Max Planck stellte klar: ‘Wohin und wie weit wir blicken mögen, zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung.’ Es steht uns also frei, Gott oder den Zufall hinter dem Universum zu vermuten: Glauben müssen wir an das eine wie an das andere.

Leben aus informierter Materie

Wir erkennen meist intuitiv, was zufällig entstanden und was geplant ist: Dass eine Pyramide konstruiert ist, das Matterhorn nicht. Selbst ein überzeugter Anhänger der zufälligen Entwicklung des Lebens wie Richard Dawkins definierte Biologie als ‘das Studium komplizierter Dinge ist, die so aussehen, als seien sie zu einem Zweck entworfen worden’. Nun erlaubt ihm seine atheistische Weltanschauung allerdings nicht, einen ‘Designer’ zuzulassen. Deshalb muss für ihn Leben zufällig entstanden sein. Das erfordert allerdings großen Glauben: Denn die beobachteten Mechanismen der Evolution betreffen ausschließlich die Optimierungs- und die Strukturebene (Polymere in Ursuppen). Diese lassen sich allein aus Materie und Naturgesetz erklären. Für die Entstehung von Leben und neuen Gattungen aber ist Information erforderlich, und zwar in so riesigen Mengen, dass man Leben als ‘informierte Materie’ definieren könnte. Doch woher kommt die Information?

Es ist kein Prozess oder Mechanismus denkbar, bei dem aus Materie Information entsteht. Sie gehört einer anderen, einer geistigen Kategorie an. Hinter jeder uns bekannten Information steht eine Intelligenz.

Leben aus aktiver Information

Louis Pasteur wies unwiderleglich nach, dass sich Lebendes nur aus Lebendem bildet: Omne vivum ex vivo. Oder anders ausgedrückt: Was tot ist, bleibt tot. Eine tote Katze, selbst wenn sie ‘repariert’ und körperlich völlig intakt ist, wird nie wieder lebendig. Was aber unterscheidet das Tote vom Lebendigen?

David Peat beschreibt es so: ‘Wenn Information ihre aktive Rolle verliert, gerät der Organismus in einen Zustand des Zerfalls und verwandelt sich in eine bloße Ansammlung unbelebter Teilelemente.’ Aktive Information ist offenbar das, was die Bibel Odem (Geist) nennt: ‘Gott, du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.’1 Die genetische Information, die ja in der toten Katze noch vollständig vorhanden ist, genügt also offenbar nicht zum Leben. Der atheistische Biologe Stefan Bleeken nennt dieses ‘Mehr’ systemische Information und bezeichnet diese als Kennzeichen des Lebens. Wenn Jesus Christus, der ewige Logos, ‘lebendig macht, wen er will,’2 dann verfügt er offenbar über die systemische Information.

Anders als die genetische Information ist die systemische nicht materiell im Lebewesen abgelegt und kann vermutlich auch nicht entschlüsselt werden. Sie ist wie der Krimi im Fernsehgerät, der verschwindet, wenn der Sender abgeschaltet oder der Empfänger zerstört wird: Mit dem Tod verschwindet irreversibel die systemische Information.

Leben aus Leben

Leben braucht eine biologische Basis. Aber der Mensch hat offenbar geistige Qualitäten, die über die Biologie hinausgehen: Selbstbewusstsein, Persönlichkeit, Kreativität, Abstraktionsvermögen und einen Hang zur Transzendenz: Wir finden in allen Kulturen die Erwartung, dass es nach dem Tod weitergeht, und überall die kollektive Erinnerung an einen vollkommenen Urzustand. Von einer kybernetischen Maschine ist so etwas schwerlich zu erwarten. So bezeichnete der Marxist Erich Fromm den Menschen denn auch als einen ‘Irrläufer der Natur’. Wenn wir aber aus der Bibel erfahren, dass der Mensch geschaffen ist zu einem zeitlosen Leben in der Liebe Gottes, dann erklärt sich seine Sehnsucht nach Sinn, Geborgenheit und Ewigkeit ganz zwanglos.

Ein kleiner Junge wünschte sich zu Weihnachten immer wieder ein Pferd. Und er bekam viele Pferde: Aus Holz, aus Metall, aus Stoff. Aber er wurde nicht glücklich, denn er wollte doch ein Pferd aus Pferd! Wir suchen wirkliches Leben und finden Leben aus Arbeit, aus Karriere, aus Alltag und Sorgen. Gottes Weihnachtsgeschenk an uns ist Jesus Christus, der selbst ‘das Leben’ ist. Er bietet uns Leben aus Leben an: Leben in der Liebe Gottes, das bis in die Ewigkeit reicht.

Aber wir sind skeptische Leute, geprägt vom systematischen Zweifel der Wissenschaft. Dort ist er auch tatsächlich angebracht. Aber Gott ist keine wissenschaftliche Hypothese, sondern Person. Die Aussage ‘ich liebe dich’ ist eine persönliche Wahrheit. Ihr Kennzeichen ist, dass sie niemals bewiesen und immer bezweifelt werden kann. Sie erweist sich im Vertrauen und hier möchte uns Gott begegnen. In der Beziehung zu ihm wird die Ahnung zur Gewissheit: ‘Gott ist die Quelle des Lebens und Gott kennen heißt leben.’3

Alle Zitate aus Lutz Simon (Hrsg.) ‘Wissenschaft kontra Gott’, Hänssler 2007

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1 Psalm 104, Satz 29
2 Johannes, Kapitel 5, Satz 21
3 Zitat Leo Tolstoi

Der Autor

Wolfgang Leisenberg

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Leisenberg

D-Bad Nauheim

verheiratet seit 1971 mit Dr. Irmgard Leisenberg, zwei Adoptivkinder, Studium der Elektrotechnik in Berlin und Regelungstechnik in Darmstadt, ab 1988 Professor für Elektrotechnik an den Fachhochschulen Frankfurt und Gießen, Generalbevollmächtigter eines Unternehmens im Anlagenbau, Träger des Unternehmerpreises ‘Innovativer Mittelstand’, Vorsitzender der ‘Forschungsvereinigung der Keramik-Anlagenbauer’

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