

Wie viele Entscheidungen haben Sie heute schon getroffen? Noch vor dem Frühstück werden von uns verschiedenste Weichenstellungen gefordert: Aufstehen oder noch fünf Minuten liegen bleiben? Ist heute formelle Kleidung oder doch eher sportlich-elegantes Outfit angesagt? Welches Hemd – und daraus folgend – welche Krawatte passt? Zum Frühstück Müesli oder Brot mit Butter und Honig – oder lieber etwas Salziges, vielleicht Käse oder Fleisch; Orangensaft oder Multifrucht, kühl oder temperiert?
Weltweit gehören wir mit diesen Wahlmöglichkeiten zu einer verschwindend kleinen, unendlich privilegierten Minderheit. Für die meisten Menschen dieser Erde stellen sich diese Fragen nicht, das ‘Menü des Tages’ ist ein anderes.
Die Fähigkeit zu wählen ist Ausdruck großartiger Freiheit. Allerdings: Haben wir uns endlich für eine von 98 Möglichkeiten entschieden, bleiben 97 ungenutzt, unerfüllt und viele trauern dem Verpassten nach. Mich macht die grenzenlos scheinende Wahlfreiheit aus einem anderen Grund traurig: sie beraubt uns der Fähigkeit, etwas dankbar anzunehmen. Das Kind bekommt ein Vanille-Eis, wünscht sich jedoch Himbeeren. Reagieren wir nicht oft wie Kinder? Haben auch wir verlernt, etwas schlicht und dankbar zu empfangen?
Ich bin auf ein Lied von Christian F. Gellert aus dem Jahr 1757 gestoßen. Eine Strophe lautet:
»Ich bitte nicht um Überfluss und Schätze dieser Erden; lass mir, so viel ich haben muss, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen.«
Das ist ein anderer, ganz und gar ‘unmoderner’ Ansatz! Gellert selber wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Bitte entspringt nicht (wie man rasch vermuten könnte) materiellem Überfluss. Wie kann er so beten, wie kann er sich so etwas wünschen? Der Schlüssel zu einer solchen Haltung liegt in der Erfahrung, die Gellert mit Gott und mit Jesus Christus gemacht haben muss: Gott als ein liebevoll versorgender, allmächtiger Vater. Gott, der mich und meine Bedürfnisse kennt. Nicht nur materiell, sondern auch geistig/geistlich: mein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit, nach Klärung meiner Vergangenheit und nach einer klaren Zielrichtung in meinem Leben.
Könnte es sein, dass wir – nicht zuletzt wegen der vielen kleinen Entscheidungen – verlernt haben, die wenigen wirklich entscheidenden Entscheidungen im Leben zu treffen? Gellert hat sich offenkundig dafür entschieden, ein Leben an und aus der Hand Gottes zu führen. In seiner Entscheidung liegt eine wesentliche Vereinfachung des Lebens: weg vom multioptionalen, aber letztlich diffusen, zu einem konzentrischen Leben.
Konzentrisch (lateinisch con, ‘mit’ und centrum, ‘Mittelpunkt’; also ‘mit einem einzigen Mittelpunkt’) bezeichnet etwas, das symmetrisch um eine gemeinsame Mitte angeordnet ist. Im christlichen Glauben steht in der Mitte ein leeres Kreuz: von da aus ist das Leben zu leben und die Welt zu verstehen. Die IVCG will auf diesen Mittelpunkt hinweisen und dazu ermutigen, die wirklich wichtigen Entscheidungen des Lebens zu treffen. Vortragsveranstaltungen, Diskussionsforen, Begegnungs- und Gesprächsmöglichkeiten – alle Angebote der IVCG sind auf dieses eine Ziel ausgerichtet, selbst der Inhalt dieser Zeitschrift. Es geht nicht um Beeinflussung und Manipulation, sondern um großartige Freiheit: die einzige Verpflichtung als Besucher eines IVCG-Anlasses besteht darin, Ihre Konsumation zu bezahlen. Mehr nicht. Veranstaltungshinweise und weitere Informationen finden Sie unter www.ivcg.org.